Renate Fasching

Ich habe die Trafik im Jahr 1974 auf ein halbes Probejahr bekommen.

Die Bewilligung zum Betrieb der Trafik habe ich sofort bekommen. Jedoch mit drei Monaten Beobachtungszeit. Falls es mit dem Umsatz nicht aufwärts geht, wird die Bewilligung wieder entzogen. Nach einer Woche kam der Betreuer und sagte mir zu, dass ich die Bewilligung auf alle Fälle bekomme. Er sieht jetzt schon, dass der Umsatz gut ist. Den Beobachtungszeitraum von drei Monaten müsse er offiziell einhalten. So hat es sich ergeben, dass die Trafik Gott sei Dank Hand- und Fuß bekam.

Den ersten Tag werde ich nie vergessen. Ich bin den ganzen Tag in der Trafik gestanden und habe eine! Kronenzeitung verkauft. Aber bei der Auslagenscheibe haben alle hereingeschaut, um zu sehen, wer ist da drinnen – jö, eine junge Frau, die ist nett. Frau Cordina hat gesagt: „Ich gehe hinein und kaufe eine Kronenzeitung. Ich bin ja nicht feig“. Das war die eine Kronenzeitung am ersten Tag. Der Umsatz ging dann wirklich sprunghaft hinauf gegangen. Die Kunden waren sehr freundlich. „Eine Junge haben wir bekommen“, das hat den Leuten gefallen. Zu reden hatte ich anfänglich nicht viel, da haben die Leute erzählt. Später beginnt man dann selber zu erzählen. Ich muss sagen, ich bereue nicht eine Minute, so schön war das. Trotzdem ich am Anfang keinen Gewinn hatte. Ich musste alle Einnahmen sofort wieder in Ware umsetzen. Früher war auf der Klosterneuburgerstraße die „Fassung“, die Zigarettenfassung. Man musste erst zur Post gehen, das Geld einzahlen. Mit der Bestätigung ging man ins Lager. Dort hat man selber die Menge der jeweiligen Zigarettensorten zusammengestellt, bis der einbezahlte Betrag aufgebraucht war. Dadurch, dass ich am Anfang nur wenig Umsatz hatte, war ich jeden Tag mit seinem Sohn, der damals noch klein war, bei der Post und dann im Lager. Drei Jahre lang habe ich mich auf diese Art und Weise hinaufgearbeitet. Erst dann konnte ich sagen: „Es läuft“. Dann hat sich einiges geändert. Die Einzahlung bei der Post ist zwar aufrecht geblieben aber das Lager ist in die Paltaufgasse im 16. Bezirk übersiedelt. Deshalb musste ich in die Paltaufgasse fahren um die Zigaretten einzukaufen. Da es aber viele ältere und behinderte Trafikanten gab, wurden die Trafiken in weiterer Folge gegen geringe Kosten beliefert. Auch für uns war das wichtig, denn weder mein Mann, noch mein Sohn mussten in den 16. Bezirk fahren. So wurden die Trafiken beliefert und das blieb bis heute so. So ungefähr war die Anfangszeit unserer Trafik.

Nach zehn Jahren haben wir die Trafik innen umgebaut bzw. erneuert. Ich habe das Geschäft dann noch 26 Jahre geführt, bis ich es meinem Sohn, dem Michael übergeben habe. Am Anfang war ich mit seiner Geschäftsführung nicht zufrieden. Er wollte aufmucken, aber ich habe ihm erklärt, dass ich noch die Hand drüber habe und er so zu machen hat, wie es sich gehört, so, wie es die Mutti eingeführt hat.Es ist eine Umstellung für die Kunden. Erst ist da eine Frau und dann steht dort plötzlich ein Mann. Er hat sich zwar gewehrt, aber als er festgestellt hat, dass ihn die Kunden wollen, hat er gewusst: „Jetzt geht´s“.

Der Flohmarkt hat sich wie folgt entwickelt:

Herr Lacina, der damalige Bezirksvorsteher war Stammkunde bei mir in der Trafik. Er war ein sehr netter Mann, immer am plaudern, hat gefragt wie es uns geht. Eines Tages habe ich ihm erzählt, dass ich gefragt wurde, einen Flohmarkt fürs St. Anna Kinderspital, fürs Mauthner Markhof´sche Kinderspital und für Lazarus zu machen. Wir würden das gerne einmal im Jahr, Freitag und Samstag. Das Geschäft jedoch offen. Der Flohmarkt hat mir dem Geschäft nichts zu tun. Am Flohmarkt wird mein Sohn, meine Schwester und meine Cousine stehen. Am Samstag wird der Erlös an die Kinderspitäler und an Lazarus übergeben. Ich habe Herrn Lacina gefragt, was geschieht, wenn mich die Leute wegen dem Grund anzeigen, der gehört ja nicht mir. Er hat gesagt: „Es ist kein Problem, das übernehme ich. Wenn jemand Fragen diesbezüglich hat, schicken Sie ihn zu mir“. Wir haben nie etwas für die Benützung des Grundes bezahlt. Der Flohmarkt hielt sich, solange Hr. Lacina Bezirksvorsteher war. Als der neue Bezirksvorsteher kam, haben wir damit aufgehört.

Das war damals die schönste Zeit, Eine Menge Leute, die zum Flohmarkt kamen. Wir haben in der Trafik Brötchen selber gemacht und die Leute mit Getränken bedient. Weil die Besucher dadurch Zeit zum plaudern hatten, steigerte das natürlich unsere Einnahmen. Der höchste Betrag, den wir übergeben konnten, war 1.400 Schilling. Das ist für damals eine riesige Leistung. Es hat sich dann im Laufe der Zeit zerschlagen. Wir hatten damals einen Gastwirt, der kam vorbei und stellte ein 25 Liter-Fass Bier aufs Pult und sagte, dass wir es für den Flohmarkt verkaufen sollen und ging wieder. Er hat aber vergessen, dass wir das Bier nicht zapfen konnten. Eine Stunde später stand er plötzlich da und hat uns einen Zapfhahn gebracht. Das war fast wie in einem Kabarett. Es war eine wunderschöne Zeit damals. Demnächst hat die Trafik einen runden Geburtstag und zwar den 50zigsten. Darauf freue ich mich schon. Das wird gefeiert. Uns wurde am Anfang prophezeit, dass wir nicht lange durchhalten werden. Dafür sind wir schon ein Weilchen da. Natürlich gibt es Phasen in welchen man in ein Loch stürzt und man ans Aufgeben denkt. Aber wenn man hart ist und der Wille zu arbeiten da ist, dann lässt man das Geschäft den ganzen Tag offen, ohne Pause. Das habe ich damals dürfen, weil ich die sogenannte Maria Theresien-Konzession hatte. Ich war an keine Öffnungszeiten bzw. Ruhezeiten gebunden. Dadurch, dass mein Sohn die Trafik übernommen hat, ist diese alte Konzession erloschen.

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