Tagebucheintrag 034 | 26. September 2020

“Kurz zu Babs”

Die letzten Tage waren allesamt überaus interessant aber mindestens auch genauso anstrengend, sodass ich beschlossen hatte mir einen Tag Auszeit zu nehmen. Daher hatte ich keine neuen Ausflüge oder Treffen am Tagesplan. Auch war das Bedürfnis meine gute Freundin Babs wieder zu sehen bereits stark angewachsen. Gerne würde ich ihr von all diesen neuen Erlebnissen und den daraus gewonnenen Erkenntnissen berichten. Natürlich auch um mit ihr alle meine offenen Fragen, welche sich in den letzten Tagen aufgestaut haben und die ich nicht mehr gewagt hatte dem netten Edi zu stellen, abzuklären.

Zu Babs ging es natürlich mit der Bimmelbahn. Kreuz & quer durch die Stadt mit zwei Mal Umsteigen, wobei auch ein übler Platz zu durchqueren war. Übel deshalb weil überall Personen standen oder saßen, die irgendwie sehr abgerockt und mitgenommen aussahen. Außer ihrem Erscheinungsbild hatten diese offenbar auch nicht die volle Kontrolle über ihren Körper und ihren Geist. Sie wackelten zum Beispiel beim Stehen und Ihr Blick war starr aber dennoch unfokussiert. Schnell ging ich zur anderen Bimmelbahn, stieg ein und blieb gleich in der Nähe des Fahrers stehen, um im Notfall dessen Beistand zu erbitten. Mit diesen öffentlichen Verkehrsmitteln kenne ich mich in dieser Stadt jetzt schon sehr gut aus.

Endlich bei der Adresse von Babs angekommen, war natürlich alles wieder mal umsonst, da Babs immer noch nicht daheim war und auch sonst nicht erreichbar war. „Wo steckt die eigentlich so lange?“ dachte ich und machte mir auch gleichzeitig Sorgen: „Hoffentlich ist bei Ihr alles in Ordnung!

Schade, denn es wäre doch schön wenn man all diese Entdeckungen zu zweit hätten machen können.“ Babs als richtige Freundin, als Vertraute, als Anker, Erdung und Ruhepol, fehlte mir einfach.

So setzte ich mich auf eine Bank im Park und ließ im Geist alle Erlebnisse und netten Begegnungen, welche ich in dieser kurzen aber schönen Zeit erleben durfte, Revue passieren. Ich erfreute mich an der Natur und dem vielen Leben das mich umgab. Die geschäftige Vogelwelt zu beobachten zum Beispiel kann richtig unterhaltsam sein. Die gepflegten Blumenbeete sind Labsal für die Seele und die gewaltigen mehrere hundert Jahre alten Bäume rundum könnten auch viele Geschichten erzählen, wenn sie reden könnten. Was die wohl schon alles erlebt haben?

Eigentlich reisen die in Ihrem stationären, stillen Leben auch irgendwie durch die Zeit. Es war richtig entspannend einmal einen Tag ohne neue Eindrücke erlebt zu haben.



Informationen zum alten Foto

#1904210

Titel Wien 10, Wallensteinstraße 2
Beschreibung Schrägaufnahme von der Brigittabrücke.
Datierung 17.08.1917
   
Orte Wien  
Digitale Sammlung Wien
   
Inventarnummer PCH 18.122A(B)
Bildnachweis ÖNB
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