Tagebucheintrag 032 | 12. September 2020

“Musik auf Scheiben”

Genau an dem Platz, an dem ich schon einmal die Kirche gezeichnet hatte, entdeckte ich mitten auf der Wiese einen Mann mit langen Haaren. Er war ziemlich lässig, schlürfte seinen Kaffee und klimperte auf seiner Gitarre herum. „Interessanter Typ“ dachte ich bei mir, während der Mann plötzlich anfing total schöne Lieder zu spielen und auch noch dazu sang.

Diese Lieder berührten mich und waren wie Balsam für meine Seele. Überdies hatte ich sie noch nie gehört. Irgendwas in mir zog mich wie ein Magnet zu ihm.

Als er Pause machte sprach ich ihn ganz einfach an. „Hallo, sehr schöne Lieder spielst du! Die hab ich noch gar nie gehört und sie gefallen mir sehr gut!“. Er bedankte sich für mein Feedback und gab an, dass er die selber komponiert und getextet habe, dies aber in einer seltsamen Sprache. Es war zwar deutsch aber trotzdem sehr schwer zu verstehen. Wenn ich etwas nicht verstand, war das offenbar erkennbar an meinem Gesichtsausdruck und er übersetzte es sofort ins Hochdeutsche.

Es folgte auch ein kurzer Vortrag über verschiedene regionale Dialekte innerhalb dieses doch eher kleinen Landes. Dann erklärte er mir, dass das erste seiner gespielten Lieder sehr bald auf einer Platte erhältlich sein wird. Nun verstand ich zwar seine Worte, aber nicht deren Inhalt. Wie kann ein Lied auf einer Platte erscheinen? Aufgrund meines Gesichtsausdruckes erklärte er, dass die Platten zwar eine ziemlich alte Technik sind, diese sich aber wieder zunehmend großer Beliebtheit erfreuen.

„Wie funktioniert denn das mit diesen alten Platten, die jetzt wieder modern sind?“, fragte ich ihn. Er erklärte mir lachend: „Nau des wos jetztan bei de CD´s der Laserstroi mocht, nämlich des obtasten von da Obafläche von dera Scheibn die wos von an Motor draht wird und auf dera die Musik eibrennt ist, mocht bei da Plottn ein Tonabnehmer, bestehend aus einem klan Kristoi. De Plottn wird genauso von an Motor draht und des klane Spiztal von den Tonarm is sehr hoat und foat in da Spiralförmig auglegten Fuachn entlaung. Duch die vaschiedanen Eingravierungen entsteht da Ton und der wird daun no elektronisch vastärkt, und üba de Boxn hörbar g´mocht, genau wia beim CD Spüla.“

Ich nickte verständnisvoll, verstand aber wiederum nur die Worte und um korrekt zu sein nicht einmal alle davon. Um nicht als dumm dazustehen, fragte ich aber nur noch warum man alte Technik verwendet, obwohl es neue Technik gibt. Darauf entgegnete er „Des ist aus Nostalgiegründen! Mia san a Generation, die is mit dem aufg´wochsn und mit dera damois revolutionären Technik haumma unsa Jugend wirklich genossn. Jetztan wird des meiste nur mehr mit´n Computer oweglodn. Do hot ma hoit weda a Plottn no a CD in da Haund. De Musik fliagt quasi duach de Leitungen, wiad amoi gheat und is daun vagessn. Damois hot ma de Plottn kauft und hot die Musik quasi besessen. Des is a schenares Gfü´h! Oba des vastehst Du net Menschal! Wennst wüst kaunnst dabei sein, wenn mia den Videoclip fia de Plottn drahn! Wüst?“

Da ich sowieso nicht verstand, wovon der Mann sprach, aber neugierig wie immer war, sagte ich einfach zu.



Informationen zum alten Foto

#1960391

TitelWien 20, Brigittakirche
BeschreibungFassade schräg von rechts über Eck.
AutorStauda, August  
KörperschaftVerlag P. Ledermann, Wien
Datierungum 1900
  
OrteWien 
SchlagworteKirche
Digitale SammlungWien
  
Inventarnummer292.892A(B)
BildnachweisÖNB / Stauda
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