Tagebucheintrag 017 | 09. Mai 2020

“Die Erstkommunion”

Am Allerheiligenplatz traf ich eine alte Bekannte wieder und sie erzählte mir bei einem gemütlichen kleinen Picknick im Park, wie sie hier als Kind die Erstkommunion empfangen hatte.

Natürlich wusste ich nicht was eine Erstkommunion ist, also erklärte sie es mir: „Es handelt sich um eine religiöse Sache. Im christlichen Glauben eine Art Zwischenprüfung oder nennen wir es Etappe auf dem Weg zur Werdung eines gläubigen Christen. Bei dieser ersten Kommunion wird ein Stück Waffel an die Kinder ausgegeben. Und zwar zum ersten Mal im Leben eines jungen Menschen. Dieses Stück Backwerk versinnbildliche den Leib Christi, wobei es sich um den Sohn Gottes handelte, welcher ja für die Christen sein Leben geopfert hat, indem er sich von der damaligen Justiz ans Kreuz nageln lassen hatte. Es wäre ihm ein Leichtes gewesen um göttliche Intervention anzufordern. Schließlich war sein Vater der Gott. Götter, so sagt man, können bekanntlich alles.

Dies war nur die Kurzerklärung zum besseren Verständnis des Vorganges einer Ersten Kommunion. Die Kinder sind bei diesem festlichen Akt allesamt herausgeputzt, wobei die Mädchen ein weißes Kleid und die Buben einen dunklen Anzug trugen und auch heute noch tragen. Nach wochenlangen Vorbereitungen und dem Ablegen der Beichte. Die Beichte wiederum ist ein Geständnis all seiner Schandtaten vor dem Stellvertreter Gottes, der in diesem Fall der Pfarrer ist. Diese Schandtaten werden als Sünden bezeichnet. Wenn alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, werden die Kinder mit einem kleinen Stück dieser Backware versorgt. Danach fand damals eine feierliche Prozession in die nähere Umgebung der Kirche statt. Dabei wurde gesungen und einige der Mädchen durften Blütenblätter aus einem Körbchen auf den Boden streuen. Dies unterstrich die Festlichkeit des Umzuges. Alle gingen in Reih und Glied. Voran schritt der Pfarrer mit einer festlichen Kutte und die Ministranten. Das sind auch Kinder, die dem Pfarrer assistieren. Die stolzen Eltern der Kinder flankierten die Prozession. Auch die Leute der Umgebung ließen sich das Spektakel nicht entgehen und säumten den Weg“.

Meine alte Bekannte erzählte mir weiter, dass das Ganze sehr ergreifend und schön gewesen sei und sie das niemals vergessen werde. Die Kommunion wird auch heute noch verabreicht und es ist immer noch ein Fest. Aber solche Prozessionen wie damals könnten heute gar nicht mehr durchgeführt werden, da dies einen großen Verwaltungsaufwand bedeuten und ganze Straßenzüge abgesperrt werden müssten. Dies wiederum würde ein Verkehrschaos nach sich ziehen. Heute spielt sich ein derartiges Fest in bzw. unmittelbar vor der Kirche ab.

Das alles war sehr interessant für mich und ich habe wieder viel Neues erfahren.



Informationen zum alten Foto

Titel Wien 20, Pöchlarnstraße 22
Beschreibung Erstkommunionumzug von der Allerheiligenkirche
Datierung 1961
Digitale Sammlung Sylvia Schaffranek
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