Tagebucheintrag 016 | 18. April 2020

“Kaltes Wasser”

In der Pasettistrasse sah ich einige alte, industrielle Backsteinbauten. Ich zückte mein Handy und frage die App! Es war eine Eisfabrik. Sie war errichtet worden, weil wegen der warmen Winter der Eispreis immer weiter stieg. Ha – von wegen Klimaerwärmung! Es war schon damals immer wärmer in den Wintern. Hat also doch nix mit dem CO2 Ausstoß der Neuzeit zu tun. Also wegen dieser warmen Winter war es immer schwieriger geworden Natureis aus der Donau zu schlagen. Und dies bedeutete, dass die Preise maßlos stiegen. Ergo war es nur billig und recht eine Eisfabrik zu bauen. Dies wurde 1898 von den Wiener Gewerbebetrieben in Angriff genommen.

Damals gab es noch keine Kühlschränke aber es gab Fleisch, das die Leute essen wollten und das verdarb ohne Kühlung zu schnell. Künstlich hergestelltes Eis war die Lösung. Man nannte es Kristalleis. Der Erfolg der Eisfabrik war gewaltig, sodass sie die bereits bestehende und Jahre zuvor errichtete Wiener Krystall Eis Fabrik im Jahre 1917 übernehmen konnten. Dann kamen die beiden Weltkriege, die das Unternehmen zwar in Mitleidenschaft zogen aber nicht zerstörten.

Als die elektrischen Kühlschränke erfunden und bald für alle Haushalte erschwinglich waren, verlor die Eisfabrik Ihre Kompetenz, sattelte aber auf lagern von Tiefkühlprodukten um. Das Unternehmen wandelte sich also vom Produktionsbetrieb zu einem Dienstleistungsbetrieb.

Am 28.02.1964 gab es ein Großfeuer, bei welchem zwei Betriebsangehörige umkamen. Der Brand konnte erst nach zwei Tagen gelöscht werden und gilt bis heute, nach dem Feuer des Börsengebäudes am 13.04.1956 als der zweitgrößten Wiens. Heute befinden sich auf dem Gelände moderne Kühlhallen zur Lagerung von Tiefkühlkostprodukten.



Informationen zum alten Foto

Titel Eisfabrik
Beschreibung Eisfabrik Pasettistraße 76
Digitale Sammlung Bezirksmuseum Brigittenau
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