Tagebuch Teil 3 – Eintrag 001

“Wir sind da”

Nachdem wir also alle gemeinsam die Pforte durchschritten hatten, war es einige Minuten totenstill. Alle blickten um sich und konnten es gar nicht fassen, dass wir nun plötzlich zwar am selben Ort als zuvor standen, aber doch alles gänzlich anders aussah.

Gut, ich gebe zu, dass es auch mir so ging, als ich das erste Mal durch die Pforte gegangen war. Still war ich sicherlich auch, aber das war nicht weiter verwunderlich, denn ich war ja auch alleine.

Starr blickten alle in Richtung der Wehrburg, dessen mächtige Waffen auf einen Drachen gerichtet waren, der sich offenbar anschickte auf dem Dach zu landen. Nachdem ich ihnen erklärt hatte, dass das nichts Besonderes ist, schlug ich vor ins Zentrum zu gehen. „Wie denn“ rief Michaela verzweifelt und rubbelte an ihrem Mobiltelefon, welches natürlich vergebens versuchte, sich in ein Netz einzuloggen. Kein Netz, murmelte sie resignierend.

Na, dann gehen wir einmal zu mir nach Hause auf einen Drink und danach ins Zentrum der Stadt, schlug ich vor. Alle blickten mich ratlos an. Da mir das klar war, packte ich meine Papierlandkarte, die ich immer bei mir hatte, aus und übergab sie René, der als Soldat keine Schwierigkeiten damit haben sollte, den Weg in die Stadt zu finden.

Nach kurzer Wegstrecke, durch die mir bestens bekannte Auenlandschaft, waren wir am Stadttor angekommen. Um mein Wien war eine mächtige Mauer gebaut, in welcher zum Zwecke des Aus- und Einreiseverkehrs, bei Nacht oder bei herannahender Gefahr, verschließbare Tore eingebaut waren.

Nach dem Passieren des Stadttores, wo wir von den Torwachen zwar argwöhnisch betrachtet, aber glücklicherweise nicht beanstandet wurden, gingen wir zu allererst in meine kleine Wohnung, wo sich alle erwartungsvoll niedersetzten.

Nachdem ich ihre abstrusen Getränkewünsche nicht erfüllen konnte, servierte ich allen selbst gemachte Zitronenlimonade. Danach gingen wir spazieren. Joe schämte sich offenbar, da er keinen Hut dabei hatte. Offenbar habe ich vergessen, ihm die hier vorherrschende Männermode zu erläutern. Nun, meine Gäste sollten auch das Gefühl kennen lernen, wie es ist, ein Fremder zu sein und von den Einheimischen argwöhnisch begutachtet zu werden.


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