“Mein Tag bei der großen Vogelparade”


& Sonderpodcast von Joe

1 – “Der sagenhafte Vogel”

Für den heutigen Tag ist wieder einmal etwas ganz Besonderes angestanden, welches sich schon vor ein paar Tagen angekündigt hat. Sprich mich hat in der vergangenen Woche der Joe angerufen und mir klargemacht, dass ich mir für den Freitag nichts Besseres vornehmen dürfe und ich sehr zeitig aufstehen müsse, da die beiden schon wieder einen ganz speziellen Ausflug geplant hatten. Na gut, warum auch nicht. Günter hat sich auch schon sehr gefreut, da es den Anschein hatte, als ob es heute etwas ganz besonders Spannendes zu bestaunen geben wird.

Die beiden, also der René und der Joe, sind dann wirklich sehr zeitig bei mir vor der Türe gestanden. René hat so ein komisches Kistl unter dem Arm gehabt und ich wollte gerade Günter noch fertig machen, als er mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass der kleine Hamster heute leider nicht mitfahren kann und deshalb schön brav daheimbleiben muss. Na super, dachte ich mir, der kleine Racker den ganzen Tag alleine zu Hause, da wird es am Abend wieder ordentlich ausschauen in der Wohnung. Ich wollte schon wieder absagen für den heutigen Tag, aber die beiden haben mir eindringlich versichert, dass dieses Kistl, welches René mitgenommen hatte, extra für kleine Tiere wie zum Beispiel Katzen gemacht worden ist und die liebend gerne ihre Stoffwechselprodukte dort hineinverfrachten. Also sei alles kein Problem. Widerwillig bin ich dann also doch mit den zwei Gesellen mitgefahren und habe Günter die ganze Wohnung und das Katzenklo anvertraut. Nicht aber, um vorher noch die nette Nachbarin zu bitten, öfters bei ihm Nachschau zu halten. So sind wir dann halt los. Ganz wohl war mir aber dennoch nicht bei der Sache.

Wir sind dann circa drei Stunden Richtung Süden gefahren. Obwohl, das stimmt nicht ganz. Gefahren sind wir eigentlich nur zwei Stunden. Eine Stunde haben wir uns in einer sehr langen Schlange von Fahrzeugen angestellt, die alle zugleich auf einen großen Platz wollten, wo sich eh schon Hunderttausende andere Leute befunden haben. Worauf habe ich mich da wieder eingelassen? Und Günter ist alleine daheim. Na, das kann was werden.

Nach einer halben Ewigkeit, in der wir einen Platz für die Kiste vom René gesucht haben und einer nochmals gefühlten Ewigkeit, in der wir in einer wiederum langen Menschenschlange vor dem Eingang verharrt hatten, haben wir es dann doch auf das große Gelände geschafft. Erst jetzt haben mir die zwei eine Einweisung gegeben, was mich da heute alles so erwarten wird. Die bei beiden haben mir erklärt, dass wir jetzt auf einer der größten Flugshows sind und dass diese von dem österreichischen Bundesheer gemeinsam mit einem großen Getränkehersteller und dem Land Steiermark alle drei Jahre veranstaltet wird. Hier könnte ich jetzt alle möglichen Fluggerätschaften aus den verschiedensten Ländern und für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke in Aktion sehen. Na, da hat sich natürlich meine Begeisterung gleich mal wieder eingestellt.

Wir sind dann erst mal kreuz und quer durch das Gelände gelaufen. Dort waren wirklich Unmengen von diesen eisernen Vögeln ausgestellt. Dazwischen tummelten sich Tausende Leute und in der Luft donnerten diese Geräte mit einem Höllenlärm über die Köpfe der Besucher. Es war irgendwie eine ganz eigenartige Stimmung. Die zwei haben sich aber wirklich sehr bemüht, mir alles ganz genau zu erklären.

So sind hier sehr viele der Gerätschaften ausgestellt, die der Mensch zum Fliegen erfunden hat. Hauptsächlich halt welche, die zum Einsatz von Streitigkeiten in der Luft gedacht sind. Im Himmel zeigen diese und ihre Piloten dann, was sie können und zu welcher Leistung sie fähig sind. Da sind aber auch ganz spezielle dabei, die sehr lange geübt haben, um den Besuchern eine ganz spezielle Darbietung zu unterbreiten. Die machen dann alle möglichen und unmöglichen Kunststücke mit ihren Flugzeugen in der Luft. Es war schon wirklich sehr beeindruckend, so etwas einmal in echt zu sehen. Nur das Getöse war ein wenig unangenehm, wenn einer dieser großen Vögel ganz steil nach oben abgehaut ist. Da hat man den Lärm so richtig in der Magengegend gespürt.

Bei einem ganz Besonderen der mächtigen Vögel sind wir eine Weile stehen geblieben. René hat mir dann mit allen Details erzählt, dass das ein Eurofighter ist, der auch beim österreichischen Bundesheer zum Einsatz kommt. Dieser hier hatte allerdings eine ganz spezielle Bemalung aufgewiesen. Da war ein riesengroßer Tiger drauf. Dieser steht, so haben sie mir das erklärt, für eine Vereinigung von internationalen Kampffliegern, die sich ab und zu mal treffen und gemeinsame Wettkämpfe und Übungen veranstalten. Finde ich gut. So bleibt man wenigstens spielerisch immer im Training.

Und dann sind sie auch schon über uns drüber gedonnert, die mächtigen Vögel. Das kann schon was. Da sieht man wirklich mal die Kraft, die diese Teile haben, wenn sie so durch die Luft pflügen. Ich möchte da auch mal unbedingt mitfliegen. Oder doch nicht?

2 – “Die Geschichte der Vögel”

Diese Menge an verschiedensten Fluggeräten war schon sehr faszinierend für mich und mit der Zeit hat man sich auch an das Dröhnen in der Luft gewöhnt. Es hat auf einmal irgendwie dazugehört. Ich glaube nur, dass ich dem René dann doch ein wenig auf die Nerven gegangen bin mit meinen vielen Fragen, denn auf einmal hat er seinen strengen Gesichtsausdruck aufgesetzt und mit dem mir schon bekannten Befehlston “Mitkommen!” uns beide dazu aufgefordert, ihm schnellen Schrittes zu folgen.

Wir sind dann alle drei ein wenig abseits des Geschehens in eine große Halle gegangen. Dort war ein wunderschönes Museum eingerichtet, in dem lauter alte Fluggeräte ausgestellt waren. “Hier kannst du jetzt deinem Wissensdurst freien Lauf lassen.” meinte René und hat mich nach einer kurzen Einweisung alleine durch die Geschichte der Vögel geschickt. Wahrscheinlich wollten er und Joe sich das Ganze auch in aller Ruhe anschauen, ohne dauernd durch meine Fragen gestört zu werden. So bin ich halt alleine los. Aber das war eh gar nicht so schlecht, denn so hat man sich viel besser auf die einzelnen Geschichten konzentrieren können, die bei den jeweiligen Objekten auf großen Tafeln dargeboten wurden.

Die Halle war wirklich vollgestopft mit allen möglichen Fluggeräten. Ein paar standen am Boden herum und ein paar waren auf der Decke aufgehängt. Auch haben die teilweise ganz lustige Bezeichnungen gehabt. Wie zum Beispiel Yakovlev Yak-18, Fouga CM 170 Magister, De Havilland DH-115 Vampire, Saab J-29F Fliegende Tonne und Agusta Bell 204. Auch dieser eine Vogel, den ich damals schon mal in der großen Stadt gesehen habe, der Saab 35OE Draken war ausgestellt. Dazwischen standen immer wieder diverse Flugzeugmotoren, Strahltriebwerke, Fliegerabwehrkanonen, Radargeräte, fliegertechnische Geräte, Uniformen und Ausrüstungsgegenstände der Luftstreitkräfte herum. Alles war super beschrieben, sodass sich auch ein nicht Fachkundiger perfekt auskennt.

Etwas ganz Faszinierendes habe ich in der Ecke der Halle gefunden. Da ist noch so ein Draken gestanden, nur dass der kein Gewand mehr angehabt hat. Das heißt, man hat das komplette Innenleben des Eisenvogels genau betrachten können. Da waren zwischen einem Haufen Rippen lauter verschiedene kleine und große Gerätschaften montiert, die alle mit Kabeln und Schläuchen miteinander verbunden waren. Theoretisch hätte ich mir hier ein genaues Bild machen können, wie solch ein Vogel funktioniert, aber dazu müsste ich zuerst einmal wissen, für was die einzelnen Teile eigentlich alle gut sind. Dennoch war es einmalig, einmal auch das Innenleben sehen zu können.

Im ersten Stock gab es dann sehr viel zu lesen. Da war die gesamte Geschichte der Vögel mit tollen alten Bildern ergänzt dargestellt. Mir war das aber an dem Tag ein wenig zu viel und ich beschloss mir dazu eher unten im Museumsshop ein Fachbuch zu besorgen, das kann ich dann in aller Ruhe daheim studieren.

In einem Raum hinter der Geschichte war dann aber etwas ganz Komisches. Da haben die auf einer großen Fläche am Boden und in verschiedenen Vitrinen an der Wand lauter kaputte Teile von diesen Gerätschaften ausgestellt. Als ich noch versuchte, eine plausible Erklärung dafür zu finden, habe ich auch schon den Joe hinter mir gehört. “Jou!” meine er, “So schauts dann aus, wenn die Vögel mal vom Himmel fallen.” und grinste breit übers ganze Gesicht. Er hat mir dann aber doch erklärt, dass das hier auch eine besondere Bedeutung hat. Das war ein Flugzeug, welches im großen Krieg abgestürzt ist. Nach etlichen Jahren ist es dann wiedergefunden worden und ist nun hier zur Veranschaulichung und auch als Mahnung um den Wert des Friedens wieder zu schätzen, ausgestellt. Ich habe das noch eine Zeit lang auf mich wirken lassen und war dann aber nicht mehr so wirklich davon überzeugt, einmal mit solch einem Gerät mitfliegen zu wollen.

Mittlerweile hat sich auch René wieder zu uns begeben und die beiden drängten ein wenig hinne zu machen, da sie schon wieder irgendetwas Neues ausgeheckt hatten. Ich wollte mir aber unten im Shop noch eines von diesen Büchern zum Nachlesen mitnehmen, kam aber nicht mehr dazu, da mich Joe mit leichtem Nachdruck aus der Halle raus schob und René schon einen ordentlichen Vorsprung herausgearbeitet hatte.

Was die beiden jetzt schon wieder vorhatten? Es muss ja ganz was Dringendes sein, so wie es aussieht.

3 – “Am Steuer”

Na ja, jetzt waren wir wieder draußen aus dem Museum. Es war ein wenig heiß in der Sonne und genauso laut wie vorher. René ist mit seinem üblichen schnellen Schritt in die Richtung des großen Platzes gedüst und hat zielstrebig die nächste lange Warteschlange angesteuert. Nicht schon wieder anstellen, dachte ich mir. Bei der Hitze ist das nicht wirklich lustig, aber Joe hat mir versichert, dass da jetzt etwas ganz Besonderes auf mich zukommen würde. Na, da bin ich schon gespannt, was das wieder werden wird.

Gut, wir haben uns halt ganz hinter in der Schlange angestellt und es ging nur wirklich sehr zach voran. So haben wir noch jede Menge Zeit gehabt, über die bisherigen Erlebnisse ein wenig zu plaudern. Die beiden haben mir dabei noch einige ausführlichere Informationen zu den einzelnen Fluggeräten gegeben. So verging dann auch die lange Wartezeit, bis auf einmal ein Haufen schwarze Fahrzeuge mit einem blauen Licht am Dach vorbeifuhren. “Das war jetzt unsere Frau Minister” hat René mir zu verstehen gegeben. Auf meine Frage, welche Frau Minister das eben gewesen ist, hat er mir erklärt, dass das die Frau Verteidigungsminister war. Diese hat in Friedenszeiten das Kommando und die politische Verantwortung über die Streitkräfte und ist somit auch für deren ordentliche Ausstattung zuständig. Das große Fragezeichen in meinem Gesicht hat René wahrscheinlich bemerkt, denn ich habe mir nicht vorstellen können, dass das mit einer Frau als Chef recht gut gehen kann. Wir haben dann dieses Thema aber nicht weiter ausführen können, da Joe zum Glück dies taktisch klug zu verhindern gewusst hat. Er hat jedem von uns einen Becher voll kühles Bier in die Hand gedrückt und das Thema wahr hiermit vom Tisch. Wäre wahrscheinlich eh in eine falsche Richtung gegangen.

Es tat wirklich gut, bei der Hitze mal etwas Kühles von innen heraus zu haben und erst jetzt habe ich bemerkt, wo wir uns da eigentlich angestellt haben. Es war bei einem der großen Vögel. Vor diesem ist eine Treppe gestanden, mit der man bis zum Fahrerbereich hochkommen konnte und dorthin wollten somit auch wir. Die zwei haben natürlich wieder einmal über beide Ohren gegrinst und gemeint “Jetzt darfst du dich gleich mal selber in so ein Flugzeug hineinsetzen.” – OK?

Es hat dann aber trotzdem nochmals eine gefühlte halbe Stunde gedauert, bis auch wir an der Reihe waren. Oben angekommen durfte ich mich wirklich selber an das Steuer von dem großen Gerät setzen. Das war schon ein wenig ein komisches, aber dennoch erhebendes Gefühl, dort einmal einsteigen zu dürfen. Im Inneren des Cockpits, wie man diesen Führerstand bei einem Flugzeug nennt, war nicht sehr viel Platz und es waren Unmengen von Schaltern und Knöpfen angebracht. René hat dann versucht, mir alles so gut als möglich zu erklären. Mit dem Knüppel in der Mitte steuert man das Ding nach links und rechts beziehungsweise rauf und runter. Mit dem Schieber auf der linken Seite gibt man Gas und mit den Pedalen dreht sich das Teil um die Längsachse. Auf den Anzeigen sieht man die aktuelle Fluglage und alle wichtigen Informationen, die man so braucht und mit den roten Knöpfen löst man die Waffen aus. Ich habe überhaupt nichts verstanden und so habe ich einfach dieses tolle Gefühl, einmal hier herinnen sitzen zu dürfen, genossen, denn wenn ich wirklich damit fliegen müsste, wäre ich wahrscheinlich ordentlich aufgeschmissen. Jetzt weiß ich auch, warum die Ausbildung zum Piloten so lange dauert.

Im Gegensatz zu der langen Wartezeit war der Aufenthalt im Cockpit für mich sehr kurz bemessen. Es warteten ja noch sehr viel andere Leute darauf, auch hier mal Platz nehmen zu dürfen. So haben wir nach kurzem Aufenthalt das Feld wieder geräumt und jetzt hatte auf einmal Joe das Kommando. Ich habe mir auch schon genau vorstellen können, warum. Bei ihm hat sich der Hunger breitgemacht. Also schnurstracks zur nächsten Labstelle und auch dort wieder anstellen. Zum Glück hat René während der Wartezeit einen Sitzplatz für uns organisiert, denn die waren im Gelände auch sehr rar verteilt. Ich muss aber zugeben, jetzt hatte ich auch schon ordentlich Hunger und Durst.

4 – “Endlich mal Pause”

Also ich muss schon sagen, die Auswahl bei der Labstation war nicht wirklich überwältigend. Es gab lediglich Würstel, Hamburger, Schnitzelsemmeln oder Pommes. Nicht gerade die Erfüllung für unseren großen Hunger und so haben wir uns dann halt einmal quer durchgegessen. Zum Glück gab es aber wenigstens genügend kaltes Bier.

Nachdem wir vorerst mal den größten Hunger gestillt hatten, hat uns auf einmal Joe alleine sitzen gelassen. “Er muss noch schnell was erledigen.”, hat er gemeint und ist abgedampft. Ich hab zuerst geglaubt, der holt sich noch was zum Essen, aber da er in die andere Richtung los ist, wird er wohl etwas Besseres im Sinn gehabt haben. Ich habe die Zeit genutzt, um vom René ein wenig mehr Informationen zu den Streitkräften der Lüfte zu erfahren. Er hat mir erzählt, dass diese sich in verschiedene Bereiche gliedern. Da gibt es das Kommando Luftüberwachung, das Kommando Luftunterstützung, Staffeln für den Flugbetrieb und den Lufttransport sowie die Einheiten für die Fliegerabwehr. Diese sind an verschiedensten Standorten in Österreich stationiert, arbeiten aber alle innig zusammen und ergeben so das Kommando Luftstreitkräfte. Bei den Fluggeräten gibt es auch die unterschiedlichsten Typen, die für den jeweiligen Einsatzfall am besten geeignet sind. Da sind zum Beispiel Trainings- und Schulungsflugzeuge, Transportflugzeuge, Kampfflugzeuge und die verschiedensten Arten von Hubschraubern. Das sind diese Dinger mit den Flügeln am Kopf, die ich schon mal kennenlernen durfte. Fast alle sind auf dem neuesten Stand der Technik.

Und dann ist da auch noch die Luftraumüberwachung, die mit dem System Goldhaube den gesamten zivilen und militärischen Flugverkehr über dem Land überwacht. Diese Überwachung reicht sogar sehr weit über die Landesgrenzen hinaus und so wissen die immer, was sich da so abspielt und sind somit für jede unvorhergesehene Situation gewappnet. Mir ist bei dem Gespräch erst so richtig bewusst geworden, dass es nicht genügt, einfach nur über die Mauer zu schauen, ob eh keiner daher kommt, der einem etwas Böses will, sondern man muss auch Sachen berücksichtigen, an die man in erster Linie gar nicht denkt. Das ist alles schon sehr komplex geworden in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten, denn die Möglichkeiten haben sich unglaublich vervielfacht.

Nebenbei ist natürlich auch die Vorführung der einzelnen Gruppen eifrig weiter gegangen und da waren wirklich ganz tolle Darbietungen dabei. Die haben alle eine große Rauchfahne hinter sich hergezogen und so hat man die Kunststücke, die, die in den Himmel gezaubert haben, sehr gut nachverfolgen können. Sie haben teilweise wirklich verrückte Manöver gemacht. Da sind zum Beispiel einmal zehn Flieger ganz eng beisammen herumgeflogen und das Ganze hat ausgesehen, als ob es ein großer von den Vögeln wäre. Dann sind wieder zwei mit einem Höllentempo aufeinander zugeflogen und haben sich nur knapp verfehlt. Wenn die sich nur um ein paar Meter verrechnen, dann kracht es aber ordentlich. Doch man hat genau gesehen, dass die genau wissen, was sie tun und das wahrscheinlich schon unglaublich oft geübt haben. Richtige Profis also und ich glaube, die haben auch jede Menge Spaß bei der Sache gehabt. Wir beide haben uns dann noch ein kühles Bier geholt und weiter den Vorführungen in aller Ruhe zugesehen, denn wir mussten ja auch noch warten, bis Joe uns wieder seine werte Aufwartung machte.

Nach einer geraumen Zeit ist der dann auch wieder aufgetaucht. In der rechten Hand hat er umständlich drei Tüten mit Popcorn daher balanciert und ich hab mir schon gedacht, warum er nicht beide Hände dazu verwendet, das würde doch erheblich leichter gehen. Doch mit der anderen Hand hat er irgendetwas aufwendig hinter seinem Rücken versteckt. Mir war sofort klar, dass da wieder etwas auf mich zukommen wird. Und genau so war es dann auch. Festlich hat er mir einen von diesen großen Vögeln der österreichischen Luftstreitkräfte als kleine Erinnerung an diesen Tag überreicht. Das war ein schönes Modell von diesem Eurofighter Typhoon in dem ich vorhin auch einmal drinnen sitzen durfte. Ich war ganz perplex und wusste vorerst gar nicht, was ich sagen sollte. Nach einer kurzen Verschnaufpause habe ich dann dieses schöne Geschenk aber dankend angenommen.

Dennoch, so ein Schuft, dachte ich mir. Hat mich der doch glatt in dem Museumsshop bewusst und intensiv durchgeschoben. Somit hatte ich keine Möglichkeit, etwas Schönes für mich zu kaufen und die beiden haben nebenbei wieder einmal die Möglichkeit geschaffen, eine große Überraschung für mich in Szene zu setzen. Ich war den beiden aber dann nicht wirklich böse, denn ich habe mich wirklich sehr über dieses Geschenk gefreut. Ist zwar wieder ein weiterer Staubfänger daheim im Regal, aber die Erinnerung an diesen herrlichen Tag wird mich jedes Mal, wenn ich das Ding sehe, wieder gewaltig einholen.

5 – “Der Schutz vom Boden”

Schön langsam hat sich der Tag dann dem Ende zugeneigt und ich muss sagen, ich war auch schon ordentlich müde von diesen vielen schönen und neuen Eindrücken. Auch meinen beiden Gesellen ist es nicht recht viel anders gegangen. So sind wir noch ein wenig durch die Menschenmassen geschlendert und haben uns noch das eine oder andere Fluggerät ein bissl angeschaut, aber die Überforderung der vielen Informationen war uns allen schon ausreichend ins Gesicht geschrieben.

Bis ja, bis wir zu dem Platz gekommen sind, wo die ortsansässige Luftabwehr ihre Gerätschaften aufgestellt hatte. Da ist auf einmal der René wieder unerwartet munter geworden und wir haben das vorerst gar nicht so recht mitbekommen. Erst als er euphorisch über diese hier ausgestellte “Mistral” berichtet hatte, wurden wir darauf aufmerksam. Er hat erzählt, dass er damals bei der Einführung dieser Geräte in das österreichische Bundesheer maßgeblich beteiligt war und vielen der jungen Soldaten den richtigen Umgang damit beigebracht hat. Er kennt dieses Teil quasi besser als jeder andere. Die Freude über die alten Erinnerungen war im buchstäblich ins Gesicht geschrieben. So erfuhren wir natürlich jetzt alle möglichen Details über diese innovative Errungenschaft der damaligen Zeit.

Als Erstes haben wir mal sämtlich technischen Daten verlautbart bekommen. Die Rakete ist einenmeterachzig lang und steckt in einem eigenen Container, der auf einem Stativ montiert ist. Sie ist neunzehn Kilogramm schwer und wird durch einen Zweistufen-Feststoff-Motor angetrieben. Wenn sie mal abgeschossen ist, hat dieser eine Brenndauer von zweieinhalb Sekunden und treibt die Rakete auf eine Geschwindigkeit von über dreitausend Kilometer pro Stunde. Schießen kann man damit circa sechstausend Meter weit und circa dreitausend Meter hoch. Das ist schon ganz beachtlich, finde ich.

Transportiert wird das Ding entweder zu Fuß, dann ist es zerlegt oder auf einem speziell umgebauten Trägerfahrzeug. Zum Einsatz kann man es dann auch in der Rekordzeit von ungefähr sechzig Sekunden bringen. Vorausgesetzt natürlich, dass die Soldaten auch wirklich damit umgehen können.

Das Ziel kann man entweder optisch erfassen oder die Daten kommen von einem speziellen Radargerät. Was auch immer das sein mag. Ist das Teil einmal abgefeuert, gibt es kein Zurück mehr. Die Rakete ist so intelligent, die findet dann ihren Weg selbstständig, auch wenn sich das Ziel dabei bewegt. So ein Teil möchte ich nicht wirklich hinter mir haben.

René ist bei seinen ausführlichen Erläuterungen zu dieser Mistral-Rakete auf das Fahrzeug geklettert, auf dem eben diese aufgebaut war. Er ist oben gestanden wie ein Oberlehrer und ich hab mir sehr gut vorstellen können, wie das damals abgegangen ist, als er die Einweisungen bei den jungen Soldaten gemacht hat. Er hat sich dann auch zur besseren Veranschaulichung der Handhabung darauf gesetzt und einen der Flieger anvisiert, der gerade dabei war, ein großes kunstvolles Herz in den Himmel zu schreiben. Der wird doch jetzt hoffentlich nicht diesen Vogel vom Himmel holen, durchfuhr es mich. Aber er hat zum Glück nichts dergleichen vorgehabt, er wollte uns nur zeigen, wie es aussieht, wenn man dieses Gerät zum Einsatz bringt.

Nach diesem kurzen Schrecken sind wir dann noch ein wenig bei den verschiedensten Luftabwehrgeräten stehen geblieben und ich bekam natürlich zu jedem Einzelnen die notwendige Erklärung dazu. Auch hab ich dann ein wenig gelernt, was ein Radar ist.

Wir haben uns dann aber dennoch alle mal schön langsam in die Richtung des Ausgangs begeben. Denn im Hinblick auf die noch lange Heimreise war es wirklich Zeit geworden, den schönen Tag trotz allem zu einem geschmeidigen Ende zu bringen. Abgesehen davon, dass wir uns letztendlich nicht gemerkt haben, wo das Fahrzeug vom René abgestellt ist und wir dadurch ein wenig planlos in der Gegend herumlaufen mussten, sind wir eigentlich relativ schnell aus dem großen Gelände wieder heraus gekommen. Nach ein bissl Suchen, ich glaube, wir waren nicht die Einzigen, denen es so gegangen ist, war dann aber alles gut und wir haben ein wenig übermüdet unseren langen Rückweg angetreten.

Von der weiteren Heimfahrt habe ich dann nicht mehr viel mitbekommen. Ich war so überwältigt von den vielen Eindrücken des Tages, dass ich am Rücksitz fest eingeschlafen bin und erst in der großen Stadt wieder wach wurde. Das einzige, was ich mir noch gemerkt habe, ist, dass sich die beiden mit der Kiste vom René wiederum in einer der endlosen Schlangen von Fahrzeugen hinten angestellt haben und gewartet haben, dass sie auf die große Straße, die nach Hause führt, kommen.

Jedenfalls wird jetzt am Rest des Wochenendes von mir aus nichts mehr Großartiges unternommen, außer ausschlafen und Günter von den vielen Erlebnissen erzählen.

Es war trotzdem wieder ein ganz toller Tag. Besten Dank Jungs.


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