Historisches aus Zwischenbrücken

Quelle: Bildarchiv Austria

Der Nordwestbahnhof  war baugeschichtlich der letzte in der Reihe der großen Kopfbahnhöfe, errichtet 1870-1873 nach Plänen von Wilhelm Bäumer durch Theodor Reuter für die am 8. September 1868 konzessionierte Nordwestbahn.

An dieser Stelle befand sich zuvor ab 1834 das Vergnügungsetablissement „Universum” (1865 abgerissen). Dem Bau des Nordwestbahnhofs fiel ein Teil des Augartens zum Opfer. Da das Baugelände sumpfig war, musste es bis zu vier Meter aufgeschüttet werden. Die Bahn selbst entstand unter der Leitung von Baudirektor Wilhelm Hellwag (Hellwagstraße). Der Betrieb ab Wien wurde am 1. Juli 1872 aufgenommen. Der Hauptlinie der Nordwestbahn, die als Rückgrat einer neuen Handelsverbindung zwischen der Ostsee, Berlin, Dresden und Wien große wirtschaftliche Bedeutung besaß, wurde die bereits 1841 vollendete Strecke Jedlesee-Stockerau angegliedert.

Die Abfahrtshalle wurde nach der damaligen modernsten Technik ausgeführt. Sie war 125 Meter lang und 39 Meter breit und überspannte fünf Gleise ohne Zwischenstützen.

Am 11. Februar 1913 wurde in der Halle des Nordwestbahnhofs der von einer Wahlveranstaltung in Stockerau zurückkehrende sozialdemokratische Politiker Franz Schuhmeier von Paul Kunschak aus politischen Gründen erschossen.

Da der Personenverkehr nach Mähren stark zurückgegangen war, wurde der Nordwestbahnhof am 1. Februar 1924 für den Personenverkehr stillgelegt.

Die funktionslos gewordene Nordwestbahnhalle wurde für Ausstellungen sowie politische und sportliche Veranstaltungen adaptiert. So konnte auf einer mit Kunstschnee bedeckten schiefen Ebene (mit Sprungschanze) schigelaufen werden. Nach der Eröffnung dieses “Schneepalasts” (26. November 1927) wurde von Richard Strebinger auf das abfahrende Auto von Bürgermeister Karl Seitz ein Pistolenattentat verübt, doch blieben Seitz und seine Begleiter unverletzt.

Die im 2. Weltkrieg schwer beschädigte Halle wurde ab 14. September 1952 abgetragen.

An der Taborstraße (Nummer 89-93) entstanden Wohnhäuser, die Gleisanlagen behielten für den Frachtverkehr ihre Bedeutung.

Bis 2025 soll der Güterbahnhof abgesiedelt  und das Areal wird dann städtebaulich genutzt werden.


Quellen:

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Nordwestbahnhof



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