Michael Fasching

Die Erzählungen zum Bild “Herrchen und Hund”

Beim Betrachten der Grafiken ist mir eine Geschichte aus meiner Jugendzeit, mit unserem ersten Hund eingefallen.

Ich kam von der Adalbert Stifter Straße und wollte nicht den weiten Weg über die Dresdnerstraße und die Stromstraße nachhause gehen. Deshalb ging ich mit dem Hund einfach die Gleise entlang und wollte bis zur Brücke, die über die Stromstraße führt.

Unser damaliger Hund war sehr brav. Er bewegte sich höchstens in einem Umkreis von zwei Metern Entfernung von mir. Irgendwann, mitten auf den Gleisen, hörte ich plötzlich ein Geräusch hinter mir.

Ein Zug kam daher und fuhr in Richtung Verschubbahnhof. Um vom Zug nicht überfahren zu werden, nahm ich den Hund auf den Arm und legte mich in eine Grube unmittelbar neben die Schienen, bis der Zug vorbei war.

Es ging gut aus, weder dem Hund noch mir ist etwas passiert. Dann stellte sich mir das nächste Problem. Wie komme ich mit dem Hund über den Zaun auf die Stromstraße. Eine Tür oder ein Tor gab es dort nicht. So gab es nur eine Möglichkeit. Ich musste über den Zaun klettern.

Damals war ich dreizehn oder vierzehn Jahre alt und nicht besonders groß gewachsen. Erst musste ich bis etwa halbe Höhe auf die Plakatwand klettern, dann den Hund rufen, sodass er mit den Vorderpfoten an der Plakatwand hochsprang. Dann nahm ich den Hund an den Pfoten und hob ihn zu mir hoch. Dann nahm ich ihn unter den Arm und kletterte ganz hinauf. Das war auf dieser Seite der Wand nicht so schwierig, weil da die Verstrebungen waren.

Dann hob ich den Hund über die Plakatwand und ließ ihn auf der anderen Seite an den Vorderpfoten hinunter. Der Hund bekam große Augen, weil er nicht wusste, was mit ihm geschieht. Da ich ihn nicht bis zum Boden hinunterlassen konnte, weil die Plakatwand zu hoch war, ließ ich ihn los. Das letzte Stück war dann freier Fall. Als er am Boden ankam, lief er nicht weg sondern wartete brav auf mich bis ich nachkomme.

Dieses Bild von den großen Hundeaugen habe ich heute noch vor mir, ich werde es mein Leben lang nicht vergessen. Er war ein absolut toller Hund, mit dem man fast alles machen konnte. Ich habe einige Blödheiten mit ihm angestellt – oder er mit mir……

Zum Beispiel eine Episode:

In der Nähe des Hauses, in dem wir wohnten, war früher eine große Wiese. Dann wurde dort ein Kindergarten gebaut. Auf dieser Baustelle habe ich mit dem Hund verstecken gespielt. Jedes Mal, wenn mich der Hund gefunden hat, schlich er sich von hinten an und zwickte mich ins Hinterteil. Dabei hatte er einen Ausdruck im Gesicht als ob er lachen würde…..

Auch wie wir zu diesem Hund gekommen sind, ist eine skurrile Geschichte:

Mein Vater war Feuerwehrmann und hatte einen Brandeinsatz in einer Zoohandlung. Die einzigen überlebenden Tiere bei diesem Einsatz waren zwei reinrassige Pudel. Sie überlebten nur deshalb, weil sie ihre Freilaufbox in der Nähe eines Abzuges stand. Dadurch habe sie gerade soviel Luft bekommen, dass sie überleben konnten. Mein Vater und einer seiner Kollegen haben die beiden Hunde mit Mund zu Mund Beatmung und danach mit Luft aus der Atemschutzmaske das Leben gerettet. Der Chef der Tierrettung hat einen Hund meinem Vater und den anderen Hund seinem Kollegen geschenkt. Verkaufen hätten sie die sowieso nicht mehr können. Unser Hund hatte es faustdick hinter den Ohren.

Er wusste scheinbar genau, dass es auf meine Mutter ankommt, ob er bei uns bleiben darf. Er hat sie gesehen und ist ihr nicht mehr von der Pelle gerückt. So kam es dann, dass er bleiben durfte. Fünfzehn Jahre lang hatten wir Große Freude an ihm.

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