Tagebuch Teil 3 – Eintrag 038 / Ka01

“Besuch beim Kaiser”

In den darauffolgenden Tagen war es dann wirklich ein wenig ruhiger. Ich bin mir nicht ganz sicher ob das jetzt mit der festlichen Stimmung und dem bevorstehenden Jahreswechsel etwas zu tun gehabt hat, oder ob da nicht auch dieses komische “Corona” dafür verantwortlich war. Ich jedenfalls habe diese Stille ein wenig für mich genutzt. Neue Energien bei ausgedehnten Spaziergängen zu tanken, die Erlebnisse des Jahres noch einmal Revue passieren zu lassen und mir zu überlegen wie ich weiter vorgehen werde.

Mein erster Entschluss stand relativ schnell fest. Da sich im Moment eh nicht wirklich viel tut und eh keiner erreichbar ist, wollte ich mal diesen “Fritz” mit seinem Kaisermuseum aufsuchen. René hat mir ja ausführlich davon berichtet und ich war schon gespannt was mich dort erwarten würde. Also kramte ich eine von den Landkarten heraus, die mir René damals geschenkt hatte, und suchte mir den Weg nach Wienings. Das war ein ganz schöne Strecke. Nach meinen Berechnungen müsste ich da circa zwei Stunden in den Norden des Landes fahren. Na ja, was soll´ s, das Wetter ist zwar nicht so prickelnd, viel zu warm für die Jahreszeit, aber bevor ich lange zu Hause herum sitze wird so ein kleiner Ausflug sicher Spaß machen.

Ich packte also ein paar Sachen zusammen und begab mich mit meinem Motorrad auf den Weg. Zuerst ging es, auf einer der breiten Straßen entlang des großen Flusses, nach Norden aus der Stadt heraus. Da waren vielleicht komische Ortsnamen auf den Wegweisern angeschrieben. “Strebersdorf” – da muss sicher eine große Schule sein, “Tuttendörfl” – keine Ahnung wie man auf solch einen Namen kommt und dann noch ganz einfach “Bisamberg” – da waren sie damals aber auch nicht sehr kreativ. Ein Stück weiter stand dann eine große Tafel mit der Aufschrift “Kaiserrast”. Das wiederum passt mir ganz gut zu dem heutigen Tag, dachte ich und beschloss einen kurzen Halt für einen Frühstückskaffee einzulegen. War dann aber doch nicht ganz so imposant wie ich es mir erhofft hatte. Das war bloß ein modernes Hotel für Reisende mit noblen Preisen. Zwar wirklich sehr schön hergerichtet, aber ich glaube auch der Kaiser hätte sich dort nicht wirklich wohl gefühlt.

Bei meiner weiteren Reise bin ich dann, wie durch Zufall, an mir bereits sehr bekannten Orten vorbeigekommen. Da war als erstes die schöne Burg zu der mich René schon mal mitgenommen hatte. Ich habe kurz überlegt einen kleinen Abstecher zu machen, fuhr aber dann doch weiter. Eine gute halbe Stunde später war mir die Gegend wieder so bekannt. Es war der Berg der Helden wo ich ebenfalls mit René schon mal gewesen bin. Ich blieb kurz stehen, da mir das alles nicht ganz geheuer vorkam und überprüfte nochmals ob ich auf dem richtigen Weg war. Doch es stimmte alles. Ich setzte also meine Reise Richtung Kaiser fort. Wenn mir jetzt auch noch Uwe irgendwo vor das Motorrad hüpft, dann glaube ich es wirklich. Aber es passierte dann doch nichts mehr aufregendes.

Nach ein paar Stunden Fahrt und doch ein wenig durchgefroren, das Motorrad ist zwar toll aber zu dieser Jahreszeit sind große Strecken schon eine Qual, bin ich dann fast an meinem Ziel angekommen. In der Stadt Groß Siegharts habe ich allerdings ein wenig die Orientierung verloren. Doch das passte mir ganz gut, denn ich musste mich jetzt wirklich mal aufwärmen. So suchte ich mir die nächste Wirtschaft und bestellte mir als erstes eine große Tasse heißen Tee. Nebenbei studierte ich wieder die Landkarte. Auch hier waren in der Gegend wunderbar komische Ortsnamen: Waldreichs, Radessen, Drösiedl, Irnfritz, Elends, Sauggern, Neunzen und so weiter. Am besten aber fand ich “Almosen”. Geht man dorthin wenn man kein Geld mehr hat?

Ich bemerkte erst später, dass der Wirt mich schon eine geraume Zeit beobachtet hatte wie ich amüsiert die lustigen Orte in der Karte studierte. “Du bist nicht von da? Gell.” sprach er mich kurz darauf an. Ich gab ihm Recht und erzählte von meinem Ausflug zum Kaiser und dass ich hier in der Stadt kurz mal den Weg verloren hätte. “Das ist nicht mehr weit.” meinte er, “Das sind vielleicht noch drei bis vier Kilometer. Ich zeige dir wie du am besten dort hin kommst. Aber weiß der “Kaiser” Bescheid, dass du heute kommst?” Ich verneinte, da ich der Meinung war, dass das eh ein Museum ist und Museen haben ja für die Besucher immer geöffnet. Das sah der Wirt nicht ganz so und rief kurzerhand beim Kaiser an. Das wäre jetzt super wenn der nicht da ist und ich den ganzen Weg umsonst gemacht hätte, dachte ich mir. Doch kurz darauf kam der Wirt aus seiner Küche und verkündete, “Mädel du hast Glück. Der “Kaiser” ist heute zufällig da und erwartet dich. Du kannst jederzeit vorbei schauen, hat er gesagt.” Mir fiel ein Stein vom Herzen. Aber vielleicht sollte man bei solchen Aktionen dann doch vorher einen Termin ausmachen. Ich bedankte mich aufrichtig für die Bemühungen und ich bezahlte meine Zeche. Der Wirt erklärte mir noch den Weg und sofort startete ich los um keine weitere Zeit mehr zu verlieren.

Nach kurzer Fahrt habe ich dann wirklich das Kaisermuseum gefunden. Ich stellte mein Gefährt ordnungsgemäß am Parkplatz ab und begab mich schnurstracks zum Eingang. Dort wurde ich schon erwartet. “Du musst das Mädel aus der Stadt sein.” begrüßte mich der Fritz, gekleidet in einer weißen Galauniform mit unzähligen Orden und einer rot-weiß-roten Schärpe. “Komm herein. Wir freuen uns, dass du da bist. Wir haben uns ja damals ganz kurz am Heldenberg gesehen. Da warst du mit dem René dort. Stimmt´´´´´ s?” Beim Eintreten versuchte ich, trotz der überwältigenden ersten Eindrücke, die Räume waren voll mit lauter alten Sachen aus der Kaiserzeit, ein wenig über mein Ansinnen und meine Reise zu erzählen. Doch das gelang mir nicht so richtig. Ich war zu sehr von der Faszination der vielen ausgestellten Objekten angezogen.

Das hat sich wirklich ausgezahlt, schoss es mir durch den Kopf, da werde ich einiges an neuen Geschichten erfahren können. Ich bemerkte gar nicht, das ich den Kaiser für kurze Zeit achtlos hinter mir stehen ließ.


Für die freundliche Unterstützung bei der Erstellung der Grafik bedanken wir uns bei:


Weitere Tagebucheinträge vom Besuch beim Kaiser findet ihr in unserem Membersbereich.

am Montag 10.01.2022 – “Persönliches Geschirr”

am Mittwoch 12.01.2022 – “So viele Orden”

am Freitag 14.01.2022 – “Ein Kuchen vom Kaiser”


Der nächste Tagebucheintrag folgt am Samstag 15. 01. 2022

Ihr müsst unbedingt schauen wie es weitergeht.


Hier geht´s zum Shop

error: Content is protected !!