Tagebuch Teil 3 – Eintrag 023

“Die Plakette”

Spät in der Nacht bin ich dann wieder in der großen Stadt angekommen. Ich war todmüde, trotzdem ich fast die ganze Fahrt geschlafen hatte. Doch irgendwie findet man bei solchen Zugfahrten keinen wirklich erholsamen Schlaf. Der Sitz ist unbequem, das monotone Rumpeln der Räder auf den Schienen wiegt einen zwar in den Schlaf aber hält einen gleichzeitig auch in einer Art Dämmerzustand und dann noch meine Angst wieder einmal die Station zum Aussteigen zu übersehen. Ergo, trotz Schlaf mehr gerädert als vorher. Ich suchte also schnellst möglich meine Heimstätte auf und fiel ohne Katzenwäsche ins Bett.

Am nächsten Morgen, ich saß gerade bei einem ausgiebigen Frühstück, klopfte es an meiner Türe. Draußen stand ein Postbote und überreichte mir ein Päckchen. “Wer schickt mir ein Paket?” dachte ich und begutachtete den Adresszettel der darauf geklebt war. Es war vom Oberst Andreas aus dem Bunkermuseum. Wieso schickt er mir ein Paket und warum ist dieses fast schneller in der großen Stadt als ich? Egal, ich beschloss diesen Tag einmal langsam anzugehen und mir einen schönen Platz in der Stadt zu suchen an dem ich die Eindrücke der letzten Wochen ordnen konnte. Ich packte das Notwendigste zusammen. Auch das Bild vom Herrn Oberst, schnappte meinen Scooter und verließ mein Heim. Im Stiegenhaus traf ich meine Nachbarin, die gerade dabei war den Gang zu schrubben. Sie war eine wirklich nette alte Dame und wir kamen kurz ins Gespräch. Ich erzählte ihr von meinen Ausflügen und dass ich heute mal einen Urlaubstag einschieben möchte. Da hatte sie sofort den passenden Tipp für mich. “Auf den wiener Hausbergen” meine sie, “da gibt es ein wirklich altes Wirtshaus in dem man hervorragend essen kann und von wo aus man einen perfekten Ausblick über die große Stadt hat. Es nennt sich Häusl am Stoan.” Klingt interessant, dachte ich. Das ist genau das, was ich heute brauchen würde. Sie erklärte mir dann noch den genauen Weg und ich war auch schon unterwegs.

Nach einer relativ langen Fahrt durch die Vorstadt mit ihren kleinen Häusern und wundervollen Weinbergen, kam ich nach geraumer Zeit oben bei dem Wirtshaus an. Die Aussicht war wirklich überwältigend und aus der Küche roch es ungemein herrlich. Ich setzte mich also an einen Tisch am Rande des Gastgartens, bestellte mir was feines zu Essen und packte meine Sachen aus. Als erstes musste ich natürlich mal nachschauen, was Oberst Andreas mir da geschickt hatte. Es war ein Bild. Zu meinem Erstaunen war es genau das Gruppenfoto, welches wir noch kurz vor der Abfahrt gemacht hatten. Wie hat der Oberst das nur so schnell hinbekommen? Ich freute mich riesig, weil ich ja auch beim fotografieren ein Geschenk bekommen hatte. Es war einen Art Plakette an einer Metallkugelschnur, die angeblich jeder Soldat in diesem Land bei sich trägt. Leider hatte ich damals in der Aufregung vergessen den Herrn Oberst zu fragen was es damit auf sich hat. Auf der Vorderseite waren eine Menge Zahlen drauf und man konnte sie hin und her drehen und sie sah immer gleich aus. Sprich auf der Oberseite war die Beschriftung und auf der Unterseite nochmal die gleiche, nur um hundertachtzig Grad gedreht. Komisches Ding, dachte ich mir. Warum schreibt man da zweimal das Gleiche drauf? Na ja, ich werde das schon irgendwann raus bekommen. 

Als ich so vertieft in meinen Gedanken da saß, wurde ich abrupt mit den Worten “Tschuldigung, ist da noch frei?” aus selbigen heraus gerissen. Was ist das denn, dachte ich als ich aufsah. Da stand doch tatsächlich ein stattlicher Soldat vor mir. Er hatte einen hellblauen Rock an, an dem Unmengen von Orden baumelten. Dazu eine rote Reiterhose und an der linken Seite einen in der Sonne glänzenden Säbel. “Schau mal an. Noch ein Zeitreisender.” dachte ich mir. Auf seine Frage ober er sich zu mir setzen dürfte, lud ich ihn natürlich sofort dazu ein. So eine Gelegenheit durfte ich mir nicht entgehen lassen. Bevor er noch etwas bei der Kellnerin bestellen konnte, überschüttete ich ihn augenblicklich mit einer Menge Fragen. Zu meiner Enttäuschung kam in dem weiteren Gespräch aber relativ schnell heraus, dass er kein Zeitreisender ist, sondern nur ein Soldat der derzeitigen Landeshüter. Der Grund warum er eine alte Uniform trug, ist jener, dass er bei einem Verein ist, der die alten Traditionen der Soldaten in diesem Land weiterhin pflegt und aufrecht erhält. Alle seine Vereinskameraden sind mit solchen alten Uniformen und Waffen ausgestattet und diese zeigen sie bei diversen Festveranstaltungen dem begeisterten Publikum. Auch sind sie in ihrem Verein genauso militärisch organisiert, in Kompanien und Regimenter, wie die damaligen Armeen. Andreas, so hieß der Soldat, erklärte mir dann auch, dass dies eine Dragoner Uniform sei. Die Dragoner waren im neunzehnten Jahrhundert die Kavallerie der damaligen Herrscher in dem großen K&K Reich zu dem damals auch das jetzige Land gehört hat. 

Nun hatte sich wider erwarten an meinem Urlaubstag doch noch ein weiterer Weg auf meiner Suche nach Informationen ergeben. Ich durchlöcherte Andres weiter mit meinen Fragen und erzählte ihm auch von meiner Reise. Es entwickelte sich noch ein sehr angenehmes Gespräch, in dem sich Unmengen an neuen Informationen für mich auftaten. 

Doch auch die schönsten Tage neigen sich irgendwann dem Ende zu. Andreas versprach mich zu Informieren wenn sein Regiment die nächste Ausrückung hat und ich versprach natürlich vorbei zu schauen. Dennoch beschloss ich jetzt mal eine kurze Pause auf meiner Reise einzulegen. Ich brauche mit all diesen Informationen jetzt einen neuen Schlachtplan, wie ich zielgenauer an die Sache herangehen kann.  So werde ich mich jetzt für ein paar Wochen zurück ziehen und alle bisher gesammelten Informationen neu sortieren. Wir sehen uns dann im Herbst wieder. Schönen Sommer noch. 


Der nächste Tagebucheintrag folgt erst wieder im September.

Ich mache dieses Monat mal Sommerpause und sortiere alle meine bisherigen Erlebnisse.

Ihr müsst unbedingt schauen wie es weitergeht.


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